STOPP BREATHE BE

Stopp breathe be

Einatmen. Vor mir eine Wand. Ausatmen.

Augen schließen. Einatmen, Atem anhalten, ausatmen. Den kleinen Windhauch an den Nasenlöchern spüren und fühlen, ob er kalt oder warm ist.  Dafür kann man Seminare buchen … Manche davon sind ganz schön teuer … Sitzen, schauen, schweigen, atmen, innere Bilder entstehen. Was siehst Du, wenn Du diese Zeilen liest? Eine Waldlichtung? Einen Sandstrand mit dem Blick auf das Meer? Eine Bergwiese? Was sehe ich, wenn ich die Augen öffne? Eine ältere Dame (ganz real), denn ich sitze in einem Wartezimmer im Krankenhaus, wartend, dass mich der Narkosearzt zum Gespräch abholt, denn eine OP steht mir bevor. Um mich herum Ungeduld, Unmut und Fragen: Wie lange dauert das denn noch? Haben die uns vergessen? Entnervendes prusten und Backen aufblasen. Permanentes auf die Uhr schauen. Ist das in diesem Moment wirklich wichtig? Ja, es dauert sehr lange (ich sitze hier schon eine Stunde). Zermürbendes, nerviges Warten nennen es die Einen, die anderen sprechen ihn ähnlichen Momenten von Meditation. Es geht also um eine Haltung, die entweder in den Wahnsinn treibt oder entspannt. Die Frage ist, wer bestimmt das nun? Na klar, ich. So beschließe ich mich für die zweite Möglichkeit zu entscheiden, denn Entscheidung ist in diesem Zusammenhang der Begriff, der alles verändert. Ich entscheide mich für die Entspannung. Sitzen, schweigen, atmen … und schon ist es nicht mehr wichtig, wie lange es dauert. Einfach ist das nicht, aber die geschenkte Zeit tut mir gut und mir fallen so einige Entspannungsübungen ein. Ich probiere sie aus und vergesse beinahe, warum ich eigentlich hier bin. Wieder einmal erfahre ich, dass es so wichtig ist, wie wir die Dinge sehen bzw. bewerten, denn an der Situation an sich ist rein gar nichts zu ändern. Ärgern oder entspannen und letzteres ist eindeutig angenehmer, wenn auch übungsintensiv, das gebe ich zu. Die Ärztin kommt und holt mich mit den Worten: „Entschuldigen Sie bitte, dass es so lange gedauert hat“, zum Gespräch. Lächelnd entgegne ich ihr: „Es gibt Menschen, die bezahlen für sitzen und schweigen viel Geld.“ Verdutzt schaut sie mich an und sagt: „So habe ich das noch nicht gesehen, irgendwie haben sie recht.“ Ich finde ich habe nicht nur irgendwie recht, denn zu allem kommt ja noch dazu, dass uns allen, die wir in diesem Wartezimmer sitzen eine Operation bevorsteht. Jeder möchte vom Arzt ernst genommen werden, möchte, dass ihm (oder ihr) zugehört wird und alle Fragen beantwortet werden. Das dauert halt! Ich frage mich: Ist es sinnvoll in so einer Situation, dem Ärger zu erlauben, die Gefühlslage zu dominieren und unter Umständen auch noch andere Mitmenschen anzustecken? Entscheidend ist die Entscheidung. Immer! STOP – BREATH – BE, das geht überall. Im Wartezimmer, im übervollen Aufzug, in der U-Bahn etc. Ich muss immer noch üben, doch es gelingt mir besser und besser und das Beste daran ist, dass ich nicht nur selbst ruhiger und gelassener werde, sondern auch mein Umfeld. Wie? Durch Nichtreagieren auf Negativität und den Versuch der Transformation ins Positive, denn ich sehe bei meiner Atemübung einen wunderschönen Sonnenpunkt im blauen Himmel und als erstes entspannt sich mein Gesicht.

 Liebe Leserin, lieber Leser, lassen sie doch gleich mal den Unterkiefer sowie die Schultern fallen.